Rassegeschichte


Kleine Wiener weiß BlA

Die Kleinen Wiener stammen ursprünglich aus Dänemark. Dort wurden sie von Arne Nielsen aus Assens, eine Hafenstadt an der Westküste der dänischen Insel Fyn (dt.: Fünen), herausgezüchtet. Wie viele andere Kaninchenrassen auch, entstanden die Kleinen Wiener eher zufällig - nämlich als Arne Nielsen im Jahr 1970 eine Kreuzung mit einem größeren Farbenzwerg mit sehr schöner Hölländerzeichnung und einem etwas zu klein gebliebenen Weißen Wiener, den er von seinem Vereinskollegen Helge Sørensen erhalten hatte, durchführte. Aus der Verpaarung erhoffte sich Nielsen zunächst einige Nachzuchttiere mit Holländerzeichnung, allerdings gingen aus dem Wurf weiße Jungtiere mit blauen Augen hervor. Damit war die Idee geboren Kleine Wiener im weißen Farbenschlag mit blauen Augen herauszuzüchten und mit der Kreuzung schuf er die Grundlage für diese Rasse.

Arne Nielsen arbeitete mehr als 15 Jahre lang an den Kleinen Wienern weiß BlA, bis er sie erstmalig im Jahr 1990 auf einer Landesschau in Års (dt.: Aars) in der Region Nordjylland der Öffentlichkeit präsentierte. Die Preisrichter und das dänische Standardkomitee waren der Ansicht, dass das Fell der Kleinen Wiener zu fein war und keine typische Wienerstruktur aufwies. Auch stellte man zu der Zeit fest, dass es bereits eine identische niederländische Rasse namens Hulstlander gab. Dennoch wurden die Kleinen Wiener am 1. März 1991 in den skandinavischen Rassestandard (Nordisk Kaninstandard) aufgenommen.

Kleine Wiener blau

Zur selben Zeit startete Axel Eriksen aus Høng (dt.: Hoeng) auf der Insel Sjælland (dt.: Seeland) sein Projekt Kleine Wiener blau herauszuzüchten. Eriksen hatte viele Jahre Französische Widder und Blaue Wiener gezüchtet. Für sein Zuchtvorhaben besorgte er sich von Ole Andersen einen blauen Farbenzwerg und erhielt von Zuchtfreund Jens Åge Jensen ein Kleinsilberkaninchen im blauen Farbenschlag. Damit war zwar sehr schnell der gewünschte Gewichtsrahmen von 2,5 bis 3,2 kg erreicht, aber das Fell und insbesondere die Farbe entsprachen nicht der eines Wienerkaninchens. Außerdem mussten sehr viele Nachzuchttiere mit Silberung aussortiert werden. So kreuzte er Blaue Wiener ein, um die richtige Fellqualität und Farbe zu erhalten und das mit Erfolg.

Kleine Wiener wildgrau

In Schweden beschäftigte sich derweil Alfred Hedlund mit der Herauszüchtung der Kleinen Wiener wildgrau, indem er Graue Wiener mit Zwergwiddern kreuzte. Aus der ersten Verpaarung waren bereits drei von vier Jungtieren ausstellungsfähig und so sind heute die Kleinen Wiener in den Farbenschlägen wildgrau, eisengrau, schwarz, blau sowie weiß Blauaugen im skandinavischen Rassestandard anerkannt.

Kleine Wiener im Zentralverband Deutscher Rasse-Kaninchenzüchter e.V.

Im Jahr 2019 entstanden die Kleinen Wiener unabhängig voneinander im ZDRK. Als Herauszüchter des wildfarbigen Farbenschlages gilt die ZGM Marina Walks und Robert Zemke aus Bülkau (LV Hannover), des Farbenschlages dunkel-/eisengrau Markus Kynast aus Hof und Udo Egelkraut aus Stammbach (LV Bayern) und des Farbenschlages weiß BlA Philipp Schellenberg aus Groitzsch (LV Sachsen).

Alle genannten Herauszüchter verfolgten im Jahr 2018 den selben Gedanken: Die Farbpalette der kleinen Rassen sollten um weitere Farbenschläge bereichert werden, denn der Rassestandard des ZDRK wies bei den stehohrigen kleinen Rassen eine Lücke auf. Außerdem sollte mit der Neuzucht eine Rasse geschaffen werden, die einen an die heutige Zeit angepassten landwirtschaftlichen Nutzen mit sich bringt, so wie es auch in der Satzung des ZDRK unter § 3 Nr. 4 aufgeführt ist: "Zweck des Verbandes ist der Erhalt und Entwicklung tiergenetischer Ressourcen im Hinblick auf die landwirtschaftliche Nutztierzucht und deren landwirtschaftlichen Aspekte."  Weitere Argumente, die für eine solche Rasse sprachen waren die Fruchtbarkeit und Widerstandsfähigkeit sowie die Überlegung, dass die Neuzucht  eine unkomplizierte Rasse für Jungzüchter bzw. Neueinsteiger sein könnte.

Dass es sich bei der Rasse um "Kleine Wiener" handeln sollte, stand für alle Beteiligten nach der 29. EE-Eurpaschau in Herning/Dänemark fest, denn dort wurden erstmals auf europäischer Ebene vier Tiere der Kleinen Wiener blau als Neuzucht ausgestellt. Zuchtmaterial im weißen und in den grauen Farbenschlägen war jedoch nicht zu bekommen. 

Also stellten Markus Kynast und Udo Egelkraut im April 2019 und die ZGM Walks/Zemke im Juli 2019 einen Antrag auf Genehmigung eines Kreuzungsversuches gem. § 12 AAB für die Farbenschläge wildfarben und dunkel-/eisengrau. Durch die Kreuzung von Farbenzwergen in den grauen Farbenschlägen und Grauen Wienern wildfarben sowie dunkelgrau sollte die Neuzucht Kleine Wiener wildfarben und dunkel-/eisengrau vorbereitet werden. Da es sich um eine Kreuzung im Vorfeld einer geplanten Neuzucht gehandelt hat, wurden die Zuchtvorhaben von der Standard-Fachkommission des ZDRK genehmigt und auf zwei Jahre begrenzt. 

Das erste Zuchtziel bestand nun darin, die Wienerkaninchen auf einen Größenrahmen von 2,50 bis 3,25 kg zu verkleinern. Gleichzeitig durfte dabei der besondere "Wienertyp" nicht verloren gehen, sondern musste  - wenn auch in etwas abgewandelter Form - auf eine kleine Rasse projiziert werden. Im Hinblick auf Wurfstärke, Aufzuchtverhalten und -leistung und dominante Vererbung des Typs wurden die ersten Kreuzungen ausschließlich mit Wienerhäsinnen und Farbenzwergrammlern durchgeführt. 
 
 Bei den Farbenzwergen stellten alle Herauszüchter hohe Anforderungen an die Körperform. Auf ein Gewicht von 1,35 bis 1,6 kg, eine korrekte Hinter- und Vorderlaufstellung, einer abgerundeten Hinterpartie, offen getragenen Ohren von kräftiger Struktur mit einer Länge um die 6 cm sowie auf das Nichtvorhandensein eines Stirnbüschelansatzes und doppelten Ohrensaumes wurde viel Wert gelegt. Diese Kriterien galten als Grundvoraussetzungen für einen guten Zuchtrammler. Priorität bei den Wienerhäsinnen lag auf dem Typ sowie auf Form, Fell und Farbe.

Bereits die erste Generation wies zahlreiche vielversprechende Kreuzungstiere auf. Nachdem dann zwei Berichte in den Fachzeitschriften des ZDRK´s veröffentlicht wurden, wuchs das züchterische Interesse an den Kleinen Wienern enorm, so dass am 26.10.2019 die IG Kleine Wiener von der ZGM Walks/Zemke, Philipp Schellenberg, Markus Kynast und Udo Egelkraut ins Leben gerufen wurde. 

Am 13.12.2019 wurden die Kleinen Wiener als Neuzucht im ZDRK zugelassen. 
 


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